Mittwoch, 06 Mai 2015 14:13

'Das Endspiel?': Der Kramer-Effekt

Die Männer kämpfen beim Pokal-Final-Four gegen jegliche Widrigkeiten an.

Nach einer von Verletzungssorgen und Personalproblemen geplagten Saison mit einem am Ende verdienten und beachtlichen dritten Platz wartete am ersten Maiwochenende noch das Pokal-Final-Four in Lichtenau auf die erste Männermannschaft. Im Bezirksvergleich trafen allesamt Teams aus der BOL aufeinander: Im ersten Halbfinale duellierte sich der TSV Lichtenau (6.) mit dem MTV Stadeln (4.), das zweite Semifinale bestritten die HG und der TSV Wendelstein (7.). Während die drei Kontrahenten nochmal jegliches Spielermaterial zusammenkratzten, wurde Trainer Carsten Peine vor eine bekannte Aufgabe gestellt. Immerhin musste der Taktikfuchs mit Sören Hirschsteiner, Wolf Hagen, Benedikt Maußner und Kim Nickl (alle Urlaub) gleich auf vier arrivierte Stammkräfte verzichten, dazu ging Mittelmann Maximilian Schmidt mit Fieber ins Turnier. Aus der zweiten Mannschaft kamen glücklicherweise zumindest Vorstand Stefan Nepf und Rechtsaußen Daniel Fabritius dazu. Genauere Angaben lassen Gedächtnislücken nicht zu: der Kramer-Effekt.


TSV Wendelstein – HGZ 22:20 n.S. (10:9; 19:19)

Im ersten Duell stand einmal mehr ein brisantes Aufeinandertreffen mit den Wendelsteinern auf dem Programm. Von Beginn an schenkten sich beide Seiten nichts, das spiegelte sich auch auf der Anzeigetafel wider (4:4). Die HG probierte es einmal mehr, sich seiner größeren individuellen Klasse zu bedienen, während sich der TSV mit einem mannschaftlichen Kraftakt von Tor zu Tor hievte. Neben dem intensiven Spielgeschehen lieferten sich die beiden Lager auch immer wieder hitzige Wortgefechte – ein echter Pokalnachmittag eben. Bis zur Pause hielten die ersatzgeschwächten Bibertstädter mit allen Kräften dagegen, die klar bessere Personallage der Herausforderer machte sich noch nicht wirklich bemerkbar (10:9).

Anfang des zweiten Abschnitts das gleiche Bild: Kein Meter wurde dem gegenüber geschenkt, eine Menge Arbeit kam einmal mehr auf die Unparteiischen zu. Bis zum 14:14 deutete alles auf ein Herzschlagfinale hin, ehe die Wendelsteiner doch ihre Kaderbreite besser zu nutzen wussten und eine schier uneinholbare Vier-Tore-Führung herauswarfen (18:14). Anstatt sich aber endgültig ihrem Schicksal zu ergeben, spielte die Peine-Sieben ohne Blick auf den Spielstand munter weiter vor sich hin. Eine Minute vor dem Ende war die Partie praktisch entschieden, der 20:18-Zwischenstand prangerte auf dem Tableau. Da nahm sich Spielmacher M. Schmidt, der in diesem ersten Vergleich in mehrerlei Hinsicht (zu) heiß gelaufen war, ein Herz und feuerte die Kugel mit einem krachenden Schlagwurf über den Kopf seines Gegenspielers ins kurze obere Eck – der Anschlusstreffer.

Die Wendelsteiner reagierten mit einem wütenden Gegenangriff und hatten die Chance, den Vorsprung wieder auf zwei Tore auszubauen, doch Keeper Jonas Pfrengle parierte den letzten Versuch des Spiels. Als die Sirene ertönte schlichen die Zirndorfer sichtlich erschöpft gen Auswechselbank, um sich die aufbauenden oder auch grantelnden Worte von Coach Peine anzuhören. Zum völligen Verwundern stellte er die Frage in die Runde: ‘Und wer traut sich das zu?‘ Die verdutzten Blicke trafen sich und fühlten sich im falschen Film, die Anzeigetafel war lediglich falsch eingestellt worden – es stand eigentlich 19:19!

Aber wie kam’s? Das Ergebnis war einzig und allein der Grund, warum Mittelmann M. Schmidt so unbekümmert abgeschlossen hatte, warum der Schütze der Wendelsteiner so frei hatte zum Wurf kommen dürfen und man so enttäuscht vom Parkett geschlendert war. Und ich fragte mich in meinem Fieberwahn nur: Ist das ein Scherz… oder ist das Rio? Ist das das Endspiel? Nein, beruhigten mich die Kollegen, nur das Lichtenauer Land, wo die HG vor Wochen so hochdramatisch zwei Punkte entführt hatte.

Also dann Siebenmeterwerfen, als angestammter Siebenmeterschütze sollte ich den fünften und letzten Strafwurf ausführen, doch soweit kam es gar nicht. Weil drei der vier Zirndorfer Werfer in bester Bayern-Manier nicht ihr Ziel fanden. Lediglich Rückkehrer Cornelius Will, der nach seinem auskurierten Mittelfußbruch, dieses kleine Erfolgserlebnis mitnehmen durfte. Die Wendelsteiner jubelten als wäre es die erste deutsche Meisterschaft seit 1901, für die verschmitzt grinsende HG begann die Vorbereitung auf das Spiel um Rang drei.

Für die HG spielten: Pfrengle (Tor), Nepf, D. Schmidt 3, Will, Tomko 2, Hartmann 2, Motzelt, Urban 1, Fabritius, M. Schmidt 11/7.

 

TSV Lichtenau – HGZ 25:20 (8:11)

Die Geschichte im Spiel der beiden Halbfinal-Verlierer (Lichtenau scheiterte gegen Stadeln ebenfalls im Siebenmeterwerfen, Anm. d. Red.) ist dann schnell erzählt. Rechtsaußen Pal Tomko und der angeschlagene Mittespieler M. Schmidt nahmen auf der Bank Platz, dafür bekamen Nepf und Fabritius ausreichend Spielzeit – und machten ihre Sache richtig gut. Wegen einer geschlossenen Mannschaftsleistung in der Abwehr und feinen Kombinationen im Angriff führte die HG bis zur Pause verdient mit 11:8, sehr freundschaftlich ging es zwischen den beiden Teams zu. Auch beim Gastgeber wollte sich im Bezirks(!)-Pokal niemand mehr unbedingt verletzen.

Im zweiten Abschnitt mussten M. Schmidt und Tomko dann doch wieder aus Kräftemangel der beiden Vertreter aufs Parkett und sahen die Felle mit davonschwimmen. Die HG erlaubte sich in der Offensive viel zu viele technische Fehler, was zu unzählbaren Konterangriffen der Hausherren führte, die sich beim bemitleidenswerten Torhüter Pfrengle bedankten und einwarfen. Spätestens beim 17:21 war die Messe zugunsten der Lichtenauer gelesen.

Kein glorreicher Abschied, den sich die Peine-Sieben am Ende mit dem 20:25 genehmigte, doch die Mannschaft bewies einmal mehr das, was sie über die gesamte Saison hinweg auszeichnete. Leidenschaft. Moral. Kampfgeist. Auch wenn es nur zu Platz vier reichte, für mich waren wir doch ein klein wenig im Endspiel. Und sind auch ein klein wenig Pokalsieger. Mehr zumindest, als der TSV Wendelstein.

Für die HG spielten: Pfrengle (Tor), Nepf 2, D. Schmidt 3, Will 1, Tomko 1, Hartmann 2, Motzelt 4, Urban 1, Fabritius, M. Schmidt 6/1.

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